Fütterung nach Haltungsbedingungen und Jahreszeit 

(veröffentlicht in der Zeitschrift Papageien Ausgabe 11/01)

Grundsätzliches zu unserer Fütterung

Bei der Fütterung unserer Papageien unterscheiden wir nach Haltungsbedingungen, Jahreszeit und Papageienart. Auch die Vorlieben oder Abneigung unserer Papageien bei einzelnen Futtersorten werden berücksichtigt. Grundsätzlich reichen wir Körnerfutter getrennt von Obst oder sonstigem Futter. Das Körnerfutter wird in mehrere Näpfe nach Korngröße getrennt. Sonnenblumenkerne und Kardisaat werden einzeln, kleinere Sämereien gemischt gefüttert. Dabei macht Kardisaat ca. 50 % des gesamten Körnerfutters aus, Sonnenblumenkerne werden überwiegend im Winter verfüttert. Zu den kleineren Sämereien zählen verschiedene Sorten Hirse, Hanf, Dari, Buchweizen. Getreidesorten wie Dinkel, Weizen und Hafer werden ebenfalls gemischt angeboten. Dieses Körnerfutter bildet sozusagen die Grundversorgung unserer Papageien und macht in der kalten Jahreszeit etwa die Hälfte des insgesamt angebotenen Futters aus. Es kommt gelegentlich vor, dass eine Futtersorte plötzlich von einer ganzen Gruppe verschmäht wird. Wir streichen dann diese Sorte für einige Tage vom Speiseplan und danach wird sie problemlos wieder angenommen. In den Sommermonaten reduziert sich der Anteil des Körnerfutters bis auf ca. 10 %. Der andere Teil besteht aus Obst, Gemüse, Joghurt, Hühnerfleisch und –knochen, gekochten Nudeln, Reis, Pellkartoffeln, Möhrensaft, Grünfutter und Kräuter aus dem Garten, Palmnüssen und sonstigen Nüssen. 

Ein mal wöchentlich gibt es : Hähnchenflügel (10 Min. gekocht, die Haut wird entfernt) , wird von allen Papageien sehr gerne gefressen; Kokosnuß, entweder halbiert und auf ein Holzstück geschraubt oder in kleinere Stücke geschnitten, wird besonders von den Amazonen und Aras angenommen; Möhrensaft, selbst hergestellt, wird sofort getrunken. Besonders die Graupapageien sind darauf sehr begehrlich. Natur-Joghurt, vermischt mit etwas selbstgekochter Marmelade und frisch geflocktem Getreide, wird 2 mal wöchentlich angeboten und von allen Papageien unverzüglich geschleckt. Nudeln, gequollenen Reis und Pellkartoffeln gibt es unregelmäßig, werden aber sehr gerne angenommen. Regelmäßig wird Grit, entweder übers Körnerfutter gestreut oder im extra Napf, angeboten. Den Aras bieten wir, hauptsächlich in den Sommermonaten, grüne tonhaltige Mineralerde an. Meistens mischen sich die Aras diese Mineralerde mit Fruchtstücken und nehmen sie auf diese Weise zu sich. Saisonales Obst, Gemüse und Grünfutter, fast alles aus eigenem Anbau, wird täglich angeboten. Zwei- bis dreimal wöchentlich gibt es Kolbenhirse, entweder in 5 cm lange Stücke geschnitten und mit dem Körnerfutter gereicht oder ganze Kolben die an kleinen Ketten im Geäst aufgehangen werden. Quell- und Keimfutter gibt es unregelmäßig, überwiegend in den Wintermonaten. 

Unsere Haltungsbedingungen

Eine gemischte Gruppe von Amazonen wird in einem „Kalthaus“ gehalten. Das Vogelhaus ist ein freistehendes Gebäude mit einem angebauten Gewächshaus, welches als Außenvoliere dient. Das Gebäude ist rundum sehr gut isoliert und durch große Fenster nach südost und südwest scheint in den Wintermonaten reichlich die Sonne herein. Die Heizung ist mitten im Raum angebracht und wird durch einen Gitterkäfig vor den Vögeln geschützt. Das Vogelhaus wird lediglich auf 5-7 Grad beheizt. Die Amazonen sind über mehrere Jahre langsam an diese Temperaturen gewöhnt worden. Die Außenvoliere steht den Amazonen fast täglich zur Verfügung, mit Ausnahme von Sonn- und Feiertagen, aus Rücksicht auf die Nachbarn. Die Außenvoliere ist ein Anlehngewächshaus, das mit Stegplatten ganz verschlossen werden kann. Je nach Wetterlage werden im Dach und an den Seitenwänden die Stegplatten entfernt und Gittermatten eingesetzt. Nur an wenigen besonders kalten und stürmischen Tagen wird das Gewächshaus ganz verschlossen, in der Regel sind auch im Winter mindestens 3 Stegplatten offen. Die Amazonen halten sich selbst bei Außentemperaturen um den Gefrierpunkt gerne für einige Stunden dort auf. Gefüttert wird nur im Innenraum. Hier haben wir insgesamt 4 Futterplätze eingerichtet, so daß alle Vögel mit Ruhe fressen können.

Unsere anderen Amazonen, Aras und Kakadus werden in einem „Warmhaus“ gehalten. Dieses Gebäude ist an unser Wohnhaus angebaut und wird über die Hausheizung mit Wärme versorgt. Hier beträgt die Temperatur ca. 12-15 Grad, sinkt aber in der Nacht auf ca. 10 Grad ab. Auch hier steht ein Anlehngewächshaus als Außenvoliere zur Verfügung, welches je nach Wetterlage mehr oder weniger mit Stegplatten verschlossen werden kann. Die hier gehaltenen Amazonen, Kakadus und unser Zwergara suchen bei jedem Wetter die Außenvoliere auf, während die Gelbbrustaras nur bei gemäßigten Temperaturen nach draußen gehen; z.B. an sonnigen aber windstillen Wintertagen. Auch diese Papageien werden in mehreren Gruppen gehalten und je Gruppe, bis zu 6 Tieren, stehen mind. 2 oder 4 Futterplätze zur Verfügung.

Die Graupapageien werden in einem „gemäßigtem Warmhaus“ gehalten. Dieses ist ebenfalls ein freistehendes Gebäude, ganz aus Wärmedämmaterialien gebaut. Das Vogelhaus wird auf ca. 10 Grad beheizt, die Temperatur sinkt in der Nacht nur um 2 Grad ab. In besonders kalten Nächten, bis zu –20 Grad, wird auch nachts etwas geheizt. Die Außenvoliere wird leider nur von einigen Graupapageien genutzt, am liebsten an kalten Sommer- und Herbsttagen oder an sonnigen Wintertagen. Lediglich 2 Graue suchen bei jedem Wetter die Außenvoliere auf.

Fütterung nach Haltungsbedingungen

Das Futterangebot ist je nach Haltungsbedingung und Jahreszeit recht unterschiedlich. Die Amazonen im Kalthaus nehmen im Winter wesentlich mehr Grundfutter auf als ihre Artgenossen im Warmhaus. Der Anteil an Sonnenblumenkernen wird erhöht und insgesamt wird ca. die 1,5 fache Menge des Grundfutters angeboten und auch gefressen. Bei frostigen Temperaturen wird morgens, sofort nach Tagesanbruch, die gleiche Menge Grundfutter wie im Warmhaus angeboten, nachmittags sind die Näpfe fast leer und es gibt noch einmal je nach Witterung bis zur 50 % der Ration. Um eine Überversorgung zu vermeiden bieten wir absichtlich nicht die ganze Menge des Körnerfutters auf einmal an.

Die Graupapageien im gemäßigten Warmhaus nehmen im Winter sogar die doppelte Menge des Grundfutters auf. Zum Vergleich hatten wir 2 Graupapageien, die vorübergehend im Warmhaus mit untergebracht waren. Die beiden kamen im Winter mit einer leicht erhöhten Menge (ca. 15 %) des Grundfutters aus. Bei den Graupapageien wird das Grundfutter ebenfalls in zwei Raten am frühen Morgen und späten Nachmittag gereicht. 

Im Warmhaus wird im Winter ebenfalls ein erhöhter Bedarf an Grundfutter festgestellt. Bei den Aras und Kakadus ist eine zweite Fütterung am Nachmittag mit nochmals ca. 20 % nötig. Die Amazonen im Warmhaus benötigen dagegen nur geringe Mengen zusätzliches Grundfutter. Der Anteil an Sonnenblumenkernen wird auch hier erhöht. 

Füttern nach Jahreszeiten

Frühling

Die Menge des Grundfutters wird langsam verringert, ebenso der Anteil der Sonnenblumenkerne. An Obstsorten stehen Lageräpfel und –Birnen, Bananen, gefrorene Johannis- und Jostabeeren und getrocknete Feigen zur Verfügung. Äpfel, Birnen und Bananen werden als Obstsalat, die Beeren extra angeboten. In flachen Tonschalen haben wir Feldsalat und Spinat vorgezogen und Vogelmiere und Löwenzahn ergänzen den Futterplan. Das Grünfutter wird in an Ketten aufgehängten Metallkörben gereicht und die ersten Papageien klettern schon daran herum, bevor wir alles Futter verteilt haben. Ansonsten gibt es noch wöchentlich die bereits erwähnten Futtersorten.

Sommer

Der Anteil des Grundfutters ist inzwischen auf ca. 10 % verringert und im Laufe des Sommers tendiert die Menge sogar gen null. Jetzt stehen vor allem Grünfutter und später im Sommer Beeren auf dem Speiseplan. Vogelmiere, Löwenzahn, Giersch, Salat, die ersten jungen Möhren, Kohlraben, Staudensellerie, Erbsen mit Schale, Zuckerschoten, grüne Bohnen, Melonen und Kürbis stehen jetzt zur Verfügung und werden abwechselnd angeboten. In unserem Garten reifen jetzt Getreidesorten, wie Dinkel, Hafer und Weizen, ja sogar Kolbenhirse wächst in warmen Sommern. Das Getreide wird halbreif geerntet. Mit dem Spaten graben wir die Pflanzen mit Erdballen aus und stellen sie in die Volieren. Besonders die Kakadus bevorzugen das Getreide. Die schönste Zeit für unsere Papageien ist jedoch der Spätsommer bez. der Herbstanfang. Jetzt beginnt die Beerenzeit. Sie beginnt Ende Juni mit den Erdbeeren, danach folgen die Himbeeren, Johannis- und Jostabeeren, Holunder und die Beeren des Feuerdorn. Unsere Papageien fressen nun täglich etwa 2 kg Beeren. Wir bieten jeden Tag nur eine Beerensorte plus eine Gemüsesorte und Grünfutter an. Die Akzeptanz ist bei allen Sorten fast gleich hoch. Unsere Lagerobstbestände gehen langsam zur Neige und werden von den Papageien jetzt auch weitgehend verschmäht. 

Herbst

In den Monaten September – Oktober ernähren sich unsere Vögel fast ausschließlich von Beeren, das Körnerfutter wird fast nicht angerührt. Zunächst sind es die Hagebutten die in großen Mengen verspeist werden, später sind es Holunder- und Ebereschenbeeren. In dieser Zeit holen wir 1 – 2 mal wöchentlich einen Hänger vollbeladen mit ca. 4 m hohen Ebereschen aus dem Wald (wir haben verständnisvolle Förster) und bringen die Bäume in die Volieren. Die Papageien ernten mit großem Geschrei die Beeren. Selbst Beeren die auf dem Boden liegen, teilweise auch bekotet, werden noch aufgesammelt. In geringen Mengen werden noch andere Obst- und Gemüsesorten angeboten und angenommen. Kirschen, Mirabellen und Pflaumen werden mit Steinen angeboten, lediglich die Pflaumen werden halbiert. Ab Oktober etwa gibt es weitere Leckerbissen für unsere Papageien: Mais und frische Sonnenblumen. Den noch nicht ganz reifen Mais verfüttern wir entweder in ganzen Kolben, aufgespießt auf ein Stück Holz, oder in Stücken geschnitten. Teilweise geben wir auch ganze Maispflanzen mit 3-4 Kolben in die Volieren. Besonders die Kakadus machen sich darüber her. Die Sonnenblumen stellen wir mit 4-5 Stück in einen dafür gebauten Ständer und die Vögel können selbst ernten. Mit dieser Fütterungsmethode erreichen wir, dass die Papageien sich ihr Futter selbst „erarbeiten“ müssen. Sie sind einige Zeit beschäftigt. 

Winter

Im Spätherbst haben wir den Anteil an Körnerfutter langsam erhöht und an Obstsorten stehen jetzt Äpfel, Birnen, Apfelsinen, Mandarinen , Bananen, Kürbis, gelegentlich auch Weintrauben zur Verfügung. Im Sommer-Herbst haben wir einen Teil der Beeren eingefroren und jetzt im Winter gibt es einmal wöchentlich einen „Beerentag“. Ca. 2 kg Johannis- und Jostabeeren werden verfüttert. Das Ausmaß der Verschmutzung der Volieren ist gigantisch, überall, am Gitter, an den Wänden, an den Ästen, in den Futterschubladen, hängen ausgelutschte Beerenschalen. In den Sommermonaten ist uns die Verschmutzung gar nicht so aufgefallen. An Grünfutter steht jetzt noch Feldsalat, an Gemüse Chicoree, Broccoli, Blumenkohl und rote Paprika zur Verfügung und im Februar wird in den Gewächshäusern die erste Vogelmiere geerntet und von den Amazonen gerne angenommen. 

Palmnüsse

Nach langer Suche haben wir endlich einen Lieferanten von Palmnüssen gefunden. Die Nüsse sind sehr empfindlich und ausgereift nur kurze Zeit haltbar. Sie werden daher bereits tiefgefroren geliefert und wir tauen täglich eine Portion auf. Graupapageien gelten als Nahrungsspezialisten und ernähren sich hauptsächlich von den Früchten der Ölpalme. Wir waren gespannt, ob unsere Grauen die Palmnüsse überhaupt annehmen würden. Wir haben sowohl Wildfänge als auch Nachzuchten unter unseren Grauen und jeder Halter weiß, wie konservativ diese Papageien sein können. Wir erlebten eine Überraschung, alle Grauen nahmen sofort die Palmnüsse an. Auch die Nachzuchten, die noch nie zuvor Palmnüsse gesehen hatten, fraßen die Palmnüsse sofort. In diesem Winter haben wir begonnen die Grundversorgung der Graupapageien teilweise auf Palmnüsse umzustellen, daß heißt, morgens gibt es Palmnüsse und entsprechend weniger Körnerfutter. Bei der zweiten Fütterung mit Grundfutter wird ebenfalls nur noch die Hälfte angeboten, die andere Hälfte wird durch Palmnüsse ersetzt. War bis dahin eine Erdnuss in der Schale ein absoluter Leckerbissen so sind es heute die Palmnüsse.

Auch die Amazonen erhalten Palmnüsse zusammen mit anderen Obstsorten. Die Palmnüsse werden aber eindeutig bevorzugt. Unsere Kakadus holen sich nur die Kerne aus den Nüssen, das Fruchtfleisch schmeißen sie leider weg. Die Aras nehmen die Palmnüsse bisher weniger an. 

Schlußbemerkungen

Unsere Papageien stammen fast alle aus einer ehemaligen Einzelhaltung. Meistens wurden sie in „überheizten“ Wohnzimmer in Käfigen gehalten. Einige Papageien kannten als Körnerfutter nur gestreifte Sonnenblumenkerne und Erdnüsse sowie einige Obst- und Gemüsesorten. Es war manchmal mühsam sie an andere Futtersorten zu gewöhnen, aber nachdem sie sich in Gruppen zusammengefunden hatten klappte es bestens. Heute nehmen, bis auf ganz wenige Ausnahmen, fast alle Papageien sämtliches angebotene Futter an. Wir versuchen unseren Tieren ein vielseitiges Futterangebot mit immer wieder neuen Obst- und Gemüsesorten anzubieten.